nachtschatten
war da was? das schlafzimmer wurde nur durch das fenster von der nächtlichen straße her erhellt. die gardinen standen in dem bleichen licht wie fahle zypressen, der restliche raum war mit hartem kontrast in dunkel gebettet. tupoy stand auf und schlurfte schlaftrunken durch den finsteren flur, um ein glas frisches wasser zu trinken.
mit einen ruck froren seine füße am boden fest: da saß einer am tisch in seiner dunklen küche. tupoy sah die silhouette gegen das licht der straßenlaterne vor dem fenster. er tastete nach dem lichtschalter, doch eine stimme wie ein erdbeben gebot ihm: „kein licht! du willst mein gesicht nicht sehen! glaub mir!“
tupoy zwang seinen blick zur wanduhr, die mit einem scharfkantigen ticken die sekunden abteilte.
alles in ihm schrie hell auflodernd nach flucht und doch fand er sich gelähmt.
„was willst du hier?“, hörte er seine schieferne stimme sagen und erschrak über den realen klang seiner worte.
da kollerte es wie ein schwerer fels durch den raum: „ich komme aus einer vergangenen zeit und bringe das grauen!“
zwischen den kahlen wänden hallten die worte und ließen im schrank das geschirr klirren.
die gestalt beugte sich über den tisch vor: „ihr habt mich gerufen. da bin ich!“
auf tupoys zitterndes kopfschütteln fuhr die stimme wie ein nahendes gewitter fort: „ich bringe das grauen: tiere brennen wie blakige fackeln! menschen stolpern über ihre gedärme! wahnsinn quillt aus dem weiß der augen! maschinen kalken schwärende leiber! schreie enden in stille!“
durch das blutrauschen in seinen ohren hörte tupoy das messerblatt der küchenuhr weitere scheibchen von der zeit abhacken.
der schwarze schatten erhob sich, bis der lichtkegel des fensters einen bindfadendünnen, hellen streifen auf sein entsetzliches gesicht zeichnete und flüsterte: „ihr glaubt an schwerelosigkeit. doch so wird es nicht enden! ihr habt nach neuen herren gerufen, doch die alten kommen! ihr habt gerufen! da bin ich!“